Holzfaserdämmung Wood Me Up © David Mathieu / Adobe Stock

Holzfaserdämmung: Profi der ökologischen Baustoffliga

Herstellung, Dämmeigenschaften sowie Vor- und Nachteile des natürlichen Dämmmaterials

Bauherren, die Wert auf eine natürliche Dämmung legen, nutzen bevorzugt Holzfasermaterial. Kein Wunder! Es gehört zu den bewährtesten unter den ökologischen Baustoffen. Denn es verfügt über exzellente Dämmeigenschaften gegen Kälte, Hitze und Schall und erfüllt hohe Ansprüche an schadstoffarmes Bauen. Hier die wichtigsten Fakten.

Holzfaserdämmstoffe und Energieeinsparverordnung

Der Wärmeschutz an Gebäuden ist eines der zentralen Themen, das junge Bauherren interessiert. Im Mittelpunkt nahezu jedes Bau- und Sanierungsprojekts steht schließlich das Gebäudeenergiegesetz. Bei Holzfaserdämmstoffen sind Sie hier auf der sicheren Seite. Denn diese erfüllen alle Anforderungen des auf optimale Energieeinsparung ausgelegten Regelwerks. Konkret liegen die Dämmstoffe bei einer messbaren Wärmeleitfähigkeit von 0,036 W/(m²·K) bis 0,055 W/(m²·K), was als gute bis sehr gute Dämmleistung gilt.

Fast alles von der Natur vorgegeben

Dämmstoffe aus Holzfasern bestehen zu mindestens 85 Prozent aus Holz. Besonders Nadelhölzer dienen als Rohstofflieferanten für Holzfaserdämmungen, darunter bevorzugt Fichte, Kiefer oder Tanne. Sie punkten mit einem hohen natürlichen Harzanteil und einer hohen Rohdichte, welche sich bei der Materialherstellung günstig auswirkt. Ein ökologischer Vorteil liegt auch darin, dass es sich beim Rohmaterial meist um Restholz handelt, das bei Baumfällarbeiten oder in Sägewerken anfällt.

Wie sieht das Baumaterial konkret aus?

Für das Dämmen von Gebäuden verwendet man genormte, industriell gefertigte Produkte aus Holzfasern. Im Wesentlich können Sie als Bauherr auf drei Varianten zugreifen: flexible oder feste Platten, die in unterschiedlichen Stärken und für die unterschiedlichen Einsatzbereiche erhältlich sind. Und lose Holzfasern, die in Hohlräume eingeblasen werden. Die Stärke der Platten ist unter anderem abhängig vom Herstellungsverfahren: Trocken hergestellte Platten sind in der Regel deutlich stärker als solche, die mit dem Nassverfahren produziert wurden.

Wo kann ich eine Holzfaserdämmung verwenden?

Holzfasern sind sowohl für Gefach- als auch für Außendämmungen geeignet. Sie haben hohe Diffusionseigenschaften, was sie zum Profi unter den feuchtigkeitsregulierenden Materialien macht. Da insbesondere Holzfaserplatten eine poröse Oberflächenstruktur aufweisen, können Sie sie zudem sehr gut als Schallschutz nutzen.

Vor allem die natürlichen Wärmespeichereigenschaften von Holz zahlen auf die hohe Wirksamkeit des Dämmstoffs ein. Da Holz von sich aus Wärme sehr gut speichert und nur verzögert wieder abgibt, erhält eine Holzfaserdämmung effizient und langanhaltend angenehme Wohlfühltemperaturen im Haus. Das gilt für die Wärmeeinwirkung von außen genauso wie von innen. Beispielsweise wird eine von der Sommersonne erhitzte Fassade ihre Wärme nur langsam nach innen weiterleiten, weshalb Sie dort lange angenehm kühle Temperaturen genießen. Ebenso hält eine Holzfaserdämmung in der kalten Jahreszeit Ihre Heizenergie lange im Haus.

Wo kommt das Material noch zum Einsatz?

Ja nach Verarbeitung sind verschiedenste Verwendungsbereiche möglich. Die Herstellung und Verarbeitung des Materials entscheiden mit darüber, wo es eingesetzt wird. Am häufigsten werden Holzfaserdämmungen in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS), bei vorgehängten Fassaden oder als Dämmschicht in der Wand genutzt.

Auch Zwischen- und Aufsparrendämmung beim Dach sowie Außenwanddämmungen sind perfekte Einsatzbereiche. Wobei Sie als Bauherr beachten sollten, dass Außendämmungen in der Regel speziell imprägnierte Platten erfordern.

Lose Fasern - hohe Flexibilität

Loses Holzfasermaterial wird dagegen nur für Einblasdämmungen genutzt: Eine spezielle Einblasmaschine befördert lockere Holzfasern in Hohlräume oder Dämmsäcke, wo sie eine dichte, dämmende Masse bilden. Diese Methode kann sowohl für die Dämmung von Dächern als auch von Wänden angewandt werden. In manchen Fällen können die Fasern auch zur Dämmung in zweischaligen Wandaufbauten eingesetzt werden. Jedoch muss man hierbei nachweisen, dass diese Sanierungsmaßnahme die geforderten Werte einhält und dass kein Tauwasser (Kondenswasser) in der Konstruktion ausfällt. Daher sollte die Anwendbarkeit dieser Methode im Einzelfall betrachtet werden.

So werden Holzfaserdämmstoffe hergestellt

Ökologisch orientierte Bauherren stellen zu Recht die Frage, mit welchen Mitteln der Zusammenhalt der Fasern in Holzfaserplatten gewährleistet wird. Sieht man lose Holzspäne, ist vielleicht schwer vorstellbar, wie sie zu stabilen Platten geformt werden können. Beim sogenannten Nassverfahren wirkt vor allem das im Holz enthaltene Liginin als natürlicher Klebstoff. Zunächst wird das Fasermaterial mit Wasser zu einem zähen Brei verarbeitet und dann erhitzt. Hierbei wird die Klebwirkung freigesetzt. Eine Beigabe synthetischer Klebemittel ist nicht mehr notwendig. Am Ende wird das feuchte Material gepresst und zu Platten geschnitten.

Zusätze erhöhen die Resistenz

Vor dem Pressen können, je nach Verwendungszweck, Zusätze beigemengt werden. Zum Beispiel das Mineral Magnesit oder Zement, welche für besondere Stabilität sorgen. Solche Platten sind letztlich gut als Putzträgerplatten für Wärmeverbundsysteme geeignet. Ein heikler Punkt ist allerdings die Feuchtigkeitsresistenz der Platten. Möchte man hier eine erhöhte Wasserbeständigkeit erzielen, können Paraffin oder Latex eingearbeitet werden. Wobei allerdings bei den beiden erstgenannten der ökologische Charakter der Holzfaserdämmung eingeschränkt wird: Bitumen und Paraffin sind beides Erdölprodukte!

Bei der trockenen Herstellung von Holzfaserdämmplatten sind synthetische Klebemittel am Werk: synthetische Harze und spezielle Klebefasern. Sie werden den getrockneten Fasern beigegeben und mit einem Dampf-Luft-Gemisch ausgehärtet. Aus diesem Verfahren ergeben sich meist besonders druck- und formstabile Dämmplatten, die auch als Trittschalldämmung verwendet werden können.

Vorteile einer Dämmung mit Holzfasern

  • Zunächst sollten die ökologischen Vorzüge genannt werden: Als Produkte, die fast gänzlich aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, sind Holzfaserdämmungen klimaneutral.
  • Außerdem lassen sie sich umweltschonend entsorgen, recyceln oder auch wiederverwenden.
  • Aufgrund der natürlichen Wärmespeicherfunktionen von Holzfasern profitieren Sie auch in Hinsicht auf ein gesundes Raumklima.
  • Diese Eigenschaft hilft insbesondere, Feuchtigkeits- und Schimmelbildungen vorzubeugen.
  • Weitere Pluspunkte sind die große Flexibilität im Einsatz: Sie können Holzfaserprodukte sowohl für die Innen- als auch für die Außendämmung nutzen. Ebenso leisten sie als Schall- und Trittschutz gute Dienste.
  • Holzfaserdämmplatten können auf nahezu jede Form und Größe zugeschnitten werden.
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… und Nachteile

  • Eine Holzfaserdämmung liegt im Kostenvergleich höher als mineralische oder synthetische Stoffe. Je nach Ausführung sollten Sie mit rund 30 Prozent höheren Kosten als bei Mineralwolle rechnen. Bei synthetischen Materialien wie etwa Polystyrol können bis zu 50 Prozent Mehrkosten zustande kommen. Aus Kostensicht rangiert im Bereich der natürlichen Dämmstoffe nur die Zellulose auf gleich niedrigem Preisniveau wie Polystyrol.
    Um die Herstellungs- und Verarbeitungskosten gering zu halten, werden daher die Bauteile in der Regel im Werk gedämmt. Und bei der Arbeitsvorbereitung wird darauf geachtet, dass die Arbeitsschritte möglichst simpel gehalten werden.
  • Auch beim Thema Brandschutz erhält das Material keine optimale Bewertung. Spezielle Zusätze erhöhen zwar die Brandsicherheit, mindern dafür aber die ökologischen Vorzüge. Bewährte Mittel sind Borsalz oder Ammoniumsulfat, über die die Brandschutzklasse B2 nach DIN 4102-1 (normal brennbar) erreicht wird. Jedoch gilt zu beachten: Holzfaserplatten tropfen nicht heiß ab wie etwa eine EPS-Dämmung. Außerdem sind die Dämmstoffe im Normalfall durch die Gipsbekleidung ausreichend lange gegen die Temperatureinwirkung geschützt, im Außenbereich durch den Putz. Im Einfamilienhaus werden die Dämmstoffe jedoch in der Regel ohne Flammschutzmittel eingebaut. Dies wird erst ab Gebäuden mit drei oder mehr Stockwerken nötig.

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